Karsamstag – 3. anglikanischer Glaubensartikel wichtig

Vorlesung zum Artikel von Bischof Meyer als DOWNLOAD.  Artikel 3

Grab Jesu

 

Artikel 3 –  Von der Niederfahrt Christi zu den Toten (Totenreich)

(…  und was sie für uns bedeutet: Anwendung am ENDE. )

Wie Christus für uns starb und begraben wurde, so muss man auch glauben, dass er zum Totenreich niedergefahren ist.

 

In den Anglikanischen Glaubensartikeln (39) in Artikel 3 knüpft dieser an den Artikel 2 an. Dort geht um Christus, seine zwei Naturen, sein Werk – das Sühnopfer für unsere Sünden und seinen Tod. Der Tod aber gehört einerseits zum Werk Christi, andererseits aber auch zum wirklichen Menschsein. Deshalb muss auch hier Tod und Totenreich behandelt werden.

  • Herkunft und Unterscheidungen

3.1.1. Herkunft:

Das Wort Hölle kommt aus dem Germanischen „helle“, Hel ist das Totenreich und auch die germanische Totengöttin „Hel“ wird mit diesem Namen bezeichnet. Die Wurzeln kommen aus dem germ. – kel – „verhüllen, verbergen, schützen“ und hat mit „bergen“, einem Raum der Abgeschiedenheit zu tun. Dies ist das Totenreich.

Das Wort Hölle wurde dann bei der Christianisierung der Germanen übernommen und der christlichen Bedeutung angepasst.

3.1.2. Unterscheidung: Hades, Gehenna, Scheol

Die Lutherbibel übersetzt sowohl hades (Mt 11,23; 16,18; Offb 1,18) als auch gehenna (Mt 5,29; 10,28; 23,15; Jak 3,6) mit »HÖLLE«.

In den dt. Bibelübersetzungen steht für Hebr. scheol nicht immer »Totenreich«, sondern auch Ausdrücke wie »Grube«, »Hölle«, oder »zu den Toten«. Die Strongs-Konkordanz listet alle Stellen auf, wo im hebr. Grundtext scheol steht.

Hölle [1]

  1. Das NT spricht von einem »doppelten Ausgang« in die Ewigkeit: vom Weg zum ewigen Leben und von dem zur ewigen Verdammnis (vgl. z.B. Mt 25,46; Joh 5,29; Offb 20,11-15 u.a.).

Die Ansicht, dass »wir alle in den Himmel kommen«, findet in der HS keine Stütze.

Der Maßstab in Gottes Gericht über die Sünde des Menschen sind dabei dessen Werke und Taten (Mt 25,40.45; 2. Kor 5,10; Offb 14,13 usw.).

Dieser Maßstab ist jedoch dort aufgehoben, wo das Erlösungswerk Jesu Christi die Erfüllung des Gesetzes Gottes durch gute Werke (Röm 3,22-24.28; 2. Kor 5,19; Tit 3,4.5 usw.).

Für den, der an Christus glaubt, ist die HÖLLE gegenstandslos geworden.

Für den aber, der Christus nicht angenommen hat, gilt der ganze Ernst der Realität der HÖLLE

Die HÖLLE ist der Ort für die von Gott im Gericht Verurteilten (Mt 25,41; Mt 5,22.29.30; 10,28; 18,9; 23,15.33; Mk 9,43.45.47; Lk 12,5; Jak 3,6.)

Wir sollten aber zur besseren Unterscheidung von Hölle als Höllenfeuer oder feurigem Pfuhl sprechen (Mt. 25,41+46. Es ist der Endgerichtsort, wo der „Wurm (des Gewissens) nicht stirbt, und das Feuer nicht verlischt“. Die Offenbarung spricht in Kapitel 20, besonders V 10-15 von dem Endgericht.

Der griechische Name für »HÖLLE«, gehenna, ist abgeleitet vom Tal Hinnom südwestl. von Jerusalem.

In alt. Zeit bestand hier ein heidnischer Kult, bei dem Kinder als Brandopfer dem Gott Moloch dargebracht wurden (2. Kön 23,10).

Der Prophet Jeremia, der diesen Kult angriff, nannte dieses Tal »Würgetal« (Jer 7,31-32; 19,5-9).

Das NT beschreibt die HÖLLE unter dem Bild eines nicht verlöschenden Feuers (Mt 5,22; Mk 9,43-48) und äußerster Finsternis (Mt 8,12 u.a.) und Verzweiflung (Mt 13,50).

 

3.1.3. Hölle und Totenreich

Doch von der HÖLLE (gehenna: das Höllenfeuer/Würgetal) muss das Totenreich (griech. hades; hebr. scheol) unterschieden werden: Es handelt sich um das Reich des Todes, den Aufenthaltsort aller Toten, von dem auch schon das AT spricht:

1.Mose 37,35; 42,38; 44,29.31; 4. Mose 16,30.33; 5.Mose 32,22; 1.Sam 2,6; 2.Sam 22,6; 1.Kön 2,6.9;  Hiob 7,9; 11,8; 14,13; 17,13.16; 21,13; 24,19; 26,6; Ps 6,6; 9,18; 16,10; 18,6; 30,4; 31,18; 49,15-16; 86,13; 88,4; 89,49; 116,3; 139,8; 141,7; Spr 1,12; 5,5; 7,27; 9,18; 15,11.24; 23,14; 27,20; 30,16; Pred 9,10; Hld 8,6;  Jes 5,14; 14,9.11.15; 28,15.18; 38,10.18; 57,9; Hes 31,15-17; 32,21.27; Hos 13,14; Amos 9,2; Jona 2,3; Hab 2,5

 Im AT ist der Aufenthaltsort der Toten, der Ort, an den die Verstorbenen kommen. Wie auch sonst in der Antike, stellten die Hebräer sich das T. (hebr. scheol) als unter der Erde (4. Mose 16,30) bzw. unter dem Wasser befindlich (Hiob 26,5) vor.Aus dem T. kehrt man nicht wieder zurück (Hiob 7,9.16).

Das AT nennt nur zwei Ausnahmen, wo Gott einen Menschen direkt zu sich hinauf geholt hat: Henoch (1. Mose 5,24) und Elia (2. Kön 2,11).

Im Totenreich hören alle Unterschiede auf (Hiob 3,13-19; Hes 32,18-32), und es gibt dort »weder Tun noch Denken, weder Erkenntnis noch Weisheit« (Pred 9,10). Und doch ist auch das T. nicht außerhalb des Herrschaftsbereiches Gottes (Ps 139,7-8; Hiob 26,6). Gott ist auch hier souverän: »Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf« (1.Sam 2,6).  Aber trotz dieser Macht sieht das AT die Toten i.a. als getrennt von Gott (Ps 88,6); aus dem T. dringt kein Gebet und kein Gotteslob (Ps 30,10; Jes 28,18).

Von der HÖLLE im Sinne von Gehenna weiß aber das AT nichts; diese Vorstellung taucht erst im rabbinischen Spätjudentum auf. Erst am äußersten Rand des AT taucht der Gedanke an eine Befreiung aus dem T. auf. Hierher gehören vielleicht schon Ps 49,16; 73,23.24, auf alle Fälle aber Dan 12,2.

Auch das NT weiß von diesem Totenreich als dem Ort der Verstorbenen, für Gerechte wie für Gottlose (Offb 20,13-14)-ein Ort mit versperrten Pforten (Mt 16,18), zu denen nur Jesus, der Sohn Gottes, den Schlüssel besitzt: »Ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle« (Offb 1,18).

In dieses Reich ist Jesus auch hinabgestiegen, um das Evangelium zu predigen (»hinabgestiegen in das Reich des Todes«, 1. Petr 3,19; 4,6). Mt 11,23; 16,18; Lk 8,31; 10,15; 16,23; Apg 2,27.31; 1.Kor 15,55; Offb 1,18; 6,8; 20,13

Ein Einbruch in das T. ist erst und nur durch Jesus Christus geschehen, der »dem Tode die Macht genommen hat« (2.Tim 1,10) Jesus hat nach dem Zeugnis der Bibel auch den Toten das Evangelium verkündet (1. Petr 3,19; 4,6; vgl. auch Mt 12,40) und ihnen damit die Befreiung aus der Allgewalt des Todes gebracht. Im apostolischen Glaubensbekenntnis wird diese Heilstat mit dem Satz »hinabgestiegen in das Reich des Todes« ausdrücklich bezeugt. (Höllenfahrt Christi, descensus ad inferos (inferna), Engl.: Descent clause .

 3.1.4.Zusammenfassung

Das Totenreich ist Hades und Scheol, ein Aufbewahrungsort der Toten und nicht Gehenna, die Feuerhölle. Weiterhin müssen wir davon das Paradies unterscheiden. Totenreich und Paradies ist nicht dasselbe. Das Reich Christi ist nicht das Totenreich, sondern das Himmelreich Luk 23,42 Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! 43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.

Damit ist auch die lebendige Gegenwart Gottes und seine Herrschaft mit dem Paradies und nicht mit dem Totenreich nahezu gleichzusetzen. Einen weiteren Unterschied ist auch noch zu dem Aufbewahrungsort (tartaros) der gefallenen Engel zu machen

2.Petr 2,4 Gott hat auch die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont, sondern sie in die finsteren Höhlen der Unterwelt verstoßen und hält sie dort eingeschlossen bis zum Gericht.

 Mit diesem scheint ein Vorort der Verdammnis oder Feuerhölle gemeint zu sein.

 

3.2. Stellen der Schrift zur Höllenfahrt Christi oder seinem Eintritt ins Totenreich.

 Apg 2,26 Darum ist mein Herz fröhlich, und meine Zunge frohlockt; auch mein Leib wird ruhen in Hoffnung. 27 Denn du wirst mich nicht dem Tod[2] überlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Verwesung sehe. 29 ihr Männer, liebe Brüder, lasst mich freimütig zu euch reden von dem Erzvater David. Er ist gestorben und begraben und sein Grab ist bei uns bis auf diesen Tag. 30 Da er nun ein Prophet war und wusste, dass ihm Gott verheißen hatte mit einem Eid, dass ein Nachkomme von ihm auf seinem Thron sitzen sollte, 31 hat er’s vorausgesehen und von der Auferstehung des Christus gesagt: Er ist nicht dem Tod[3] überlassen und sein Leib hat die Verwesung nicht gesehen.

 Hier ist die deutlichste Stelle, dass Christus in das Totenreich eingetreten ist, aber dies keine Macht über ihn ausübte. Es wird auf Ps. 16,10 von David zurückgegriffen. Eph 4,8-10 Darum heißt es: »Er ist aufgefahren zur Höhe und hat Gefangene mit sich geführt und hat den Menschen Gaben gegeben.« (Zitat von Ps 68,19).

Dass er aber aufgefahren ist, was heißt das anderes, als dass er auch hinabgefahren ist in die Tiefen der Erde? Der hinabgefahren ist, das ist derselbe, der aufgefahren ist über alle Himmel, damit er alles erfülle. 

Diese Stelle in Epheser wurde oft im Sinne eines Abstiegs ins Totenreich ausgelegt, doch spricht dieser Text nicht mehr als in Phil 2,5 f über die Fleischwerdung und Ankunft hier auf Erden. Von der unsichtbaren Welt ist hier keine Rede.

1 Petr. 3,18 … und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. 19 In ihm ist er auch hingegangen und hat gepredigt den Geistern im Gefängnis, 20 die einst ungehorsam waren, als Gott harrte und Geduld hatte zurzeit Noahs, als man die Arche baute, in der wenige, nämlich acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser hindurch.

4, 6 Denn dazu ist auch den Toten das Evangelium verkündigt, dass sie zwar nach Menschenweise gerichtet werden im Fleisch, aber nach Gottes Weise das Leben haben im Geist.

Die Reformatoren sprachen hier gewöhnlich davon, dass Christus, obwohl tot nach dem Fleisch, aber lebendig nach dem Geist, den Toten im Gefängnis predigte.

Hier scheint Christus zwei Dinge zu tun (3,18-21). Er verkündigt den gefangenen ungehorsamen Seelen (Geistern), und er befreite die gerechten Seelen, die aus Furcht vor dem (ewigen)Tode lebenslang Gefangene waren. (4,1-6). So verkündet er den Ungehorsamen seinen Sieg (keine Möglichkeit zur Umkehr) und den anderen gestorbenen Heiligen, die zu den Vätern versammelt wurden (1 Mo 25,8) verkündete er Hoffnung. Denn durch den Tod und Auferstehung Christi kam eine große Veränderung.

Hebr 10,39 Diese alle haben durch den Glauben Gottes Zeugnis empfangen und doch nicht erlangt, was verheißen war, 40 weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hat; denn sie sollten nicht ohne uns vollendet werden.

Auf diese Veränderung, die mit dem Tod und der Auferstehung Christi in Verbindung steht, werden wir im nächsten Artikel 4 näher eingehen.

Dass Christus seinen größten Triumph durch seine Verkündigung im Totenreich vollbracht hat, ist nicht zu beweisen. Es scheint aber, dass die Schrift den Ort des Kreuzes als den Siegesort hervorhebt:

Kol 2,14+15 Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet. Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.

  • Für uns begraben und ins Totenreich gegangen

Hebr 2,17+18 Daher musste er in allem seinen Brüdern gleich werden. … Denn worin er selber gelitten hat und versucht worden ist, kann er helfen denen, die versucht werden.

 Zum vollen Menschsein gehört auch die Trennung von Leib und Geist. Der Leib ging bei Jesus für eine kurze Zeit ins Grab. So hat er auch die tiefste Erfahrung des Menschseins mit gemacht. Seine Seele mit seinem Geist ging aber in einen Zustand über, in den auch unsere Seele hinüber gehen wird. So ist Christus in jede menschliche Existenz, auch den Tod, das Reich des Todes, eingegangen. Hier beendete er sein Erlösungswerk und stellte alle Gottes zufrieden.

  • Er trug das Wesen der Menschheit als Lebendiger.
  • Er trug das Wesen des Menschseins auch als Toter.

 Anwendung

Christus ist für uns ins Totenreich gefahren, genauso, wie er für uns gestorben ist.

Wir können nicht da sein, wo Er nicht war.

Wir werden da sein, wo und wie er dort war.

 

[1]  Jer.Bibellex. S.354

[2] griech.: hades / Unterwelt)

[3] hades

Autor: Bischof Meyer

Früher Polizeibeamter in Frankfurt Heute Bischof der Anglikanischen Kirche i.D. / Ref. Episkopalkirche i.D. Verheiratet mit Grace Ann Meyer (geb. Brodish) Vier erwachsene Töchter, drei verheiratet, Sechs Enkel, (Jungs 8 -12 Jahre); Mädchen (Zwillinge 9 Jahre alt), Grace: Köchin von www.knuellcamp.de; Chefin von www.knuell-jause.de

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